Gemäldeprojekt: Isle of Peace

Isle of Peace - Mandos - eine Toteninsel

Drei Titel, ein Kunstwerk. tatsächlich konnte ich mich nicht entscheiden, da ich alle drei Titel sehr passend finde. Auf der Rückseite des Originalbildes sind daher auch alle vermerkt.


Alles im Rahmen halten

Der Rahmen machte den Anfang und ging dem der eigentlichen Bildide quasi voraus. Er stammt aus dem Fundus des Barockschlosses Brandenstein welches im Privatbesitz der Familie Kahl ist (bekannt geworden durch „Bares für Rares“ Händler Fabian Kahl). Genauer gesagt lag der Rahmen ausrangiert in einer Feuerschale im Hof. Neu werden solche Stuckrahmen nur noch im Fachhandel auf Maß hergestellt und kosten dann selbst bei diesem kleineren Format eine kleinere bis mittlere dreistellige Summe. Zunächst galt es zu retten was an dem Rahmen noch zu retten ist und etwas Restaurationsarbeit zu leisten. Die lose zusammengenagelten Bildleisten musste ich zunächst sorgsam auseinander nehmen und die Nägel entfernen. Doch siehe da, als ich den Rahmen neu zusammensetzen wollte, musste ich feststellen, dass die Gehrungen alles andere als winklig waren. Ich musste daher alle Gehrungen neu sägen und dabei darauf achten, dass die gegenüberliegenden Leisten auch exakt gleich lang sind.

Am Ende hatte ich diese wunderbare Ruine eines Bilderhamens wieder funktionstüchtig zusammengeleimt. Eine komplette Aufarbeitung des Reliefs zog ich erst gar nicht in Erwägung, das wäre zu viel Arbeit bei dem Stück, vielmehr schwebte mir ein Gesamtkunstwerk vor, dass den ramponierten Rahmen mit einbindet.

Es fehlte nur noch das passende Bild.

Inspiration, eine Schlacht der Zitate

Ein solch fetter Rahmen passt nicht zu jedem Bild. Aufgrund seiner Tiefenstaffelung im Relief unterstützt er hervorragend Landschaften und allgemein Bilder mit viel Tiefenwirkung. Daher machte ich zunächst ein paar Skizzen. Thematisch blieb ich dabei irgendwie bei der Toteninsel hängen. Dabei trafen mehrere Inspirationen zusammen. Eindrücke von der Isle of Skye, ein Gespräch mit Freunden zu Passagen aus der Offenbarung, Fragmente aus der Edda, sowie mein Entwurf zu Tolkiens Mandos (Totenreich der Elben). Blickt man in die menschliche Historie zurück, so ist der Totenkult die Geburtsstunde religiöser Praktiken und Glaubensvorstellungen und zugleich die der Kunst. Dabei bedeutet ein Bewusstsein für den Tod auch zugleich ein Bewusstsein für das Leben und andersherum.

Wie dem auch sei, das Thema war mir in Kopf und Herz so präsent, dass ich den Drang verspürte, dieses aufzugreifen und auf meine Weise zu interpretieren. Mir ging es dabei aber weniger um ein Totenreich im Stile der antiken und christlich mittelalterlichen Vorstellung, wie man sie heute von Bildern alter Meister zum Hades und zur Unterwelt/Hölle kennt. Es ging mir mehr um eine Insel die weder idyllisch paradiesisch ist, noch erschreckend. Sondern eher um den Ausdruck von Ruhe, Frieden, Trauer aber auch Geborgenheit. Eine Welt die irgendwie entrückt wirkt, aber wohl doch noch nicht ganz das Ende ist, vielleicht eher eine Zwischenwelt?

In der christlichen Glaubensvorstellung wird eine solche Zwischenwelt indirekt angedeutet. Demnach gelangt man hier nach dem Ende der Welt und dem Gottesgericht entweder zu Gott (Himmel) oder erleidet den zweiten Tod (Hölle).

11 Und ich sah einen großen weißen Thron und den, der darauf saß, vor dessen Angesicht die Erde entfloh und der Himmel, und keine Stätte wurde für sie gefunden.

12 Und ich sah die Toten, die Großen und die Kleinen, vor dem Thron stehen, und Bücher wurden geöffnet; und ein anderes Buch wurde geöffnet, welches das des Lebens ist. Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben war, nach ihren Werken.

13 Und das Meer gab die Toten, die in ihm waren, und der Tod und der Hades gaben die Toten, die in ihnen waren, und sie wurden gerichtet, ein jeder nach seinen Werken.

14 Und der Tod und der Hades wurden in den Feuersee geworfen. Dies ist der zweite Tod, der Feuersee.

15 Und wenn jemand nicht geschrieben gefunden wurde in dem Buch des Lebens, so wurde er in den Feuersee geworfen.

(Offenbarung 20, Elberfelder Bibel, weitere Übersetzungen)

Wie die Welt nach dem ersten Tod aussieht wird nicht beschrieben - perfekte Voraussetzungen also für mich als Künstler. Lediglich das alle Toten scheinbar aus dem Meer kommen, frei nach Thomas Mann: „Das Meer ist keine Landschaft, es ist das Erlebnis der Ewigkeit, des Nichts und des Todes – ein metaphysischer Traum.“

Warum nur fahren so viele Menschen in ihrem Urlaub ans Meer, wohl nicht nur weil man da baden kann und teuer essen, sondern weil das Meer uns Menschen auch innerlich berührt, Ruhe und Ewigkeit ausstrahlt. Jedenfalls kann ich diese Wirkung von meiner Seite aus bestätigen, selbst wenn man an dem hektischsten und überfülltesten Badestrand aufs Meer blickt, ist diese beruhigende Wirkung noch präsent.

Der Besuch auf der Isle of Skye rief in mir auch Erinnerungen an die Edda ins Gedächtnis, die ich in meiner Jugend mehrfach las. Dort heißt es zum Ende der Völuspa: nach der Übersetzung von Karl Simrock um 1851:

Eines Saal seh ich heller als die Sonne,
Mit Gold bedeckt auf Gimils Höhn:
Da werden bewährte Leute wohnen

Und ohne Ende der Ehren genießen.

nach der Übersetzung von Felix Genzmer aus den 1980er Jahren:

Einen Saal seh ich sonnenglänzend,
mit Gold gedeckt zu Gimle stehn:
Wohnen werden dort wackre Scharen,
der Freuden walten in fernste Zeit.

Ich mag dieses Bild und habe daher eine kleine Halle auf der Insel in mein Bild gemalt. Manch einer mag sie übersehen oder nur als Hütte werten, das steht jedem frei.

Fehlt noch der gute Herr Tolkien um alle nennenswerten Einflüsse, die in diesem Bild mitwirkten zu vervollständigen.

„Die Menschen aber waren gebrechlicher, leichter niedergeschlagen von Waffen oder von Unglück und weniger leicht geheilt; sie unterlagen Krankheiten und vielerlei Übeln, wurden alt und starben. Was mit ihrem Geist nach dem Tode geschehen mag, wissen die Elben nicht. Manche sagen, auch sie begeben sich in Mandos` Hallen, warten dort aber nicht am gleichen Ort wie die Elben, und wohin sie gehen nach der Zeit der Sammlung in jenen stillen Hallen am Außenmeer, das weiß von allen unter Illuvatar bis auf Manwe nur Mandos allein.“

(J.R.R. Tolkien, Quenta Simarillion, Kapitel 12)

So, das soll aller Exkurse genug sein. Es folgt eine Bilderstrecke zur Entstehung des Bildes, so will ich schweigen und die Bilder für sich wirken und sprechen lassen.








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