Stuck aus Gips herstellen 

Klassischer Gipsstuck ist, abgesehen vom Denkmalschutz, selten geworden – einerseits, weil es recht wenige Handwerker gibt, die es noch ausführen, andererseits, weil fertige Stuckleisten aus Hartschaum und anderen Kunststoffen als günstige Fabrikware angeboten werden. 

Was spricht für Gipsstuck?

  •  günstige ökologische Aspekte
  •  Schäden/Abplatzer lassen sich reparieren
  •  nicht brennbarer Baustoff
  •  individuelle Design- und Gestaltungsmöglichkeiten umsetzbar
  •  Übergänge und Ansätze der Stuckteile lassen sich nahtlos verarbeiten
  •  tragfähig für vielfältige Beschichtungen (Leimfarben, Tempera, Acryl, Vergoldung etc.)
  •  exzellente Abbildefähigkeit plastischer Oberflächen

Was spricht dagegen?

  • Gewicht: ausladende Stuckelemente müssen entsprechend verankert und armiert werden
  • Aufwand: hoher Handarbeitsanteil bei der Herstellung der Werkzeuge/Schablonen und der finalen Formgebung und damit ein maßgeblicher Kostenfaktor


Zierelement(e) herstellen

Es bedarf zunächst einer Idee, welche ich in meinem Skizzenbuch festgehalten habe. Konkret handelt es sich um Zierelemente, welche nachträglich auf die Kehlleiste gesetzt werden und optisch die zum Teil sichtbaren Deckenbalken Halt geben sollen. Da ich hierbei zwei unterschiedlich breite Deckenbalken in die Stuckleiste einbinden muss, habe ich zwei verschiedene Modelle entworfen. Eines habe ich direkt modelliert, das andere – nach anfänglicher Modellierarbeit – zu einem Gipsmodell umgegossen.


 

Für die spätere Reproduktion erfolgte die Abformung in Silikon mit einer verstärkenden Gipskappe. Das Gießen in diese Form erfordert ein gutes Timing. Denn um auch die Rückseite des Modells passend auszubilden, muss der überschüssige Gips bündig abgetragen werden, ehe er erhärtet. Zusätzlich lege ich Fasern in die fragilen Bereiche des Modells, ehe ich die Form komplett voll gieße.


Kehlleiste ziehen

Zum Ziehen einer Kehlleiste habe ich mir einen „Schlitten“ gebaut, der über eine Holzleiste gezogen bzw. geschoben wird. Dieser Schlitten kann mit einem einfachen Keil verschiedene Schablonen aufnehmen. Für die nachfolgende Kehlleiste habe ich drei Schablonen hergestellt, um das Profil schichtweise aufzubauen. Nach der ersten und zweiten Schicht lege ich jeweils Gewebestreifen aus Glasfaser ein, so wird die Leiste wesentlich bruchstabiler.
Die Schablonen bestehen aus Zinkblech auf einem Holzbrett, bzw. Multiplex. Die dritte und letzte Schablone gibt die endgültige Form.




Montage der Stuckelemente


Traditionell wird Gipsstuck mit Gips angeklebt, allerdings muss man dabei sehr schnell arbeiten und hat beim Andrücken kaum Korrekturmöglichkeiten - der Gips zieht sehr schnell an, trotz vornässen der Klebeflächen.
Wesentlich einfacher ist das Kleben mit Acryl oder Montagekleber. Um die Haftung zu verbessern kann man die Klebeflächen anrauhen und mit einem Pinsel und Wasser vornässen. Schwere Stuckteile kann man zusätzlich Dübeln oder Nageln - wichtig ist, das man rostfreies Material verwendet, z.b. verzinktes Metall oder Edelstahl.





 

Allgemeines zum Gips:

Ich verwende herkömmlichen Stuckgips. Meiner Erfahrung nach sind Stuck- und Modellgips gleiche oder zumindest ähnliche Produkte und entsprechen dem, was gemeinhin als „Gips“ bezeichnet wird. Ebenfalls ähnlich ist der Bau- und Elektriker-Gips, welcher gewöhnlich dicker angerührt wird, weniger gießfähig ist und scharfkörnige Zuschläge enthält. Gipsputze, Rotband, Uniflott usw. sind Herstellerbezeichnungen, bei denen es sich in der Regel um modifizierte Gipsprodukte handelt, auf die ich hier nicht weiter eingehe.

Gips wird in sauberes Wasser bis zur Sättigung eingestreut. Dazu sollte der eingestreute Gips wenige Minuten sumpfen. Er lässt sich durch gutes Durchsumpfen umso besser und gleichmäßiger verrühren.
Anschließend muss die angerührte Gipsmasse zeitnah verarbeitet werden.

Einige Erfahrungswerte:

Gips wird umso härter, je stärker er gesättigt ist. Weniger Gips ins Wasser zu streuen bedeutet zwar eine bessere Fließfähigkeit der Masse, aber zugleich einen weicheren, schaumigeren Gips nach dem Abbindeprozess.

Wird Gips auf trockenen Gipsuntergründen aufgetragen, sollten diese vorgewässert und/oder der Gips dünner angerührt werden. Er zieht sonst zu schnell an.

Der Abbindeprozess des Gipses kann verzögert werden. Allgemein gilt, dass jeglicher Zuschlag, den Abbindeprozess verzögert. Ich habe bisher mit Leimwasser (auf Gelantinebasis) und Acryldispersion als Verzögerer gute Erfahrungen gemacht.
Verzögernde Zuschläge sollten sparsam (so um die 2-10 %) verwendet werden. Ist der Zuschlag zu hoch, bindet der Gips nicht richtig ab.

Ruhig Blut bei eingestreutem Gips. So lange man den eingesumpften Gips nicht umrührt, startet der Abbindeprozess überaus langsam. Andersherum beschleunigt längeres Umrühren den Abbindeprozess.

Gips wird klumpig:
Wenn der Gips zu schnell und zu satt ins Wasser gestreut wird, kann er sich nicht vollständig vollsaugen und wird trotz sorgfältigen Umrührens klumpig.
Auch Gips, der Feuchtigkeit aus der Luft gezogen hat, neigt zur Klümpchenbildung und bindet zudem deutlich schneller ab.


Zwischenstufen des Gipses im Abbindeprozess:

Flüssig – direkt nach dem Anrühren ist der Gips gießfähig.

Breiig – der Gips wird zunehmend standfester. Er lässt sich mit dem Werkzeug gut verteilen und bleibt weitgehend dort stehen, wo er aufgetragen wurde. Dieser Zustand hat ein recht kurzes Zeitfenster von wenigen Minuten und ist ideal für die Formgebung mit Werkzeug und Schablone (Schleppzug), um den Gips möglichst gleichmäßig anzutragen.

Schmierig – der Gips verliert den nassen Oberflächenglanz und erscheint zunehmend matt. Er beginnt fest zu werden, lässt sich zwar noch formen und verschieben, aber die zuvor glatte Oberfläche wird dabei meistens rau oder reißt ab. Besser ist es, noch einen Moment zu warten.

Cremig-fest wie kalte Butter – der Gips lässt sich leicht schneiden und schaben, ohne großen Kraftaufwand und ohne dabei auszureißen.

Fest wie Schokolade bei Zimmertemperatur – der Gips spant beim Schaben und Schneiden. Zieht man den Gips mit der Ziehklinge unter leichtem Druck ab, zeigt die Oberfläche einen seidigen Glanz.

Fertig fest- größere Gipsmengen werden nun merklich warm, und beim Beklopfen klingt das Gipsstück nach spröder Keramik. Frühestens jetzt kann ausgeformt werden.

Endhärte – das Gipsobjekt ist weißtrocken.


 

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